miércoles, 31 de agosto de 2011

Havannas beste Casa Particular

Lorena und Luis vermieten ein großartiges Haus inmitten des zentralen Viertels Centro Habana. Die herzlichen Vermieter tun alles für das Wohl ihrer Gäste und an Annehmlichkeiten wie Aircondition, Privatsphäre, unabhängiges Badezimmer, Frühstück und Balkon mangelt es nicht. Lorena spricht fließend englisch und erklärt die Feinheiten des kubanischen Lebens für alle Neuankömmlinge.

Reservierungen über radioescucha@gmx.net

Adresse des Hauses: Neptuno No.402 entre San Nicolás y Manrique, Centro Habana

Preis Doppelzimmer/Nacht: 25 CUC (derzeit 22 Euro)

viernes, 11 de marzo de 2011

Der Krieg in Libyen ist kein Bürgerkrieg sondern der Versuch einer Befreiung

In Libyen scheut der Machthaber Gaddafi mit seinem Klan um den Erhalt der Selbstherrschaft nicht davor zurück, die Bürger seines Landes kaltblütig ermorden zu lassen. Aufgrund dieser eindeutigen Kräftekonstellation halte ich den Gebrauch des Begriffs „Bürgerkrieg“ für höchst irreführend. Während auf der einen Seite Gaddafi und seine Regierungstruppen mit Hilfe von ausländischen Söldnern um die Saturierung der Macht kämpfen, fordert das protestierende und kämpfende Volk ein Ende des Repressionssystems und eine neue Verteilung von Macht, Einfluss und Anerkennung.
In einem Bürgerkrieg hingegen treten feindselige inländische Gruppen (Bürger) gegeneinander an, wie sich mit unzähligen historischen und aktuellen Beispielen belegen lässt (Jugoslawienkrieg, spanischer Bürgerkrieg). Doch was folgt aus dieser Fehlinterpretation der libyschen Revolte als eines Bürgerkriegs? Man setzt stillschweigend voraus, dass das Volk grundsätzlich in beide Richtungen zu mobilisieren ist und damit ebenso gut für den Erhalt der Macht des Gaddafi-Regimes eintreten, wie den Befreiungskampf fortsetzen könnte. Der Begriff Bürgerkrieg legt sogar nahe, dass die Lager bereits auf diese Weise gespalten sind. Der Erfolg der Bewegungen in den arabischen Ländern rührt jedoch daher, dass die Gründe der Rebellion von vielen Menschen verstanden und als richtig erkannt werden.

(Erschienen in der Süddeutschen Zeitung)

jueves, 11 de noviembre de 2010

Skriptauszug: "Lebendige Gärten"

Ein Panzer als Gartenhaus. Aufbereitung einer Müllhalde in Cojimar

Das rurale, an den Ort gebundene Wissen würde wieder geschätzt, freute sich der Gärtner Suleyha in Bahía, der seine Parzelle am liebsten in ein Bildungszentrum für Erwachsene und einen Schulgarten für Kinder verwandeln möchte. Bereits im Dezember 2009, vier Jahre nach dem ersten Spatenstich, bedeutete der Ort ihm mehr als manchem sein Mietshaus und bestimmt, als es die ursprüngliche Funktion nahelegt. Suleyha grub, säte und ackerte auf einer ehemaligen Müllhalde für Industrieabfälle, auf der auch heute noch ein Panzer, Baujahr 1946, aus der DDR steht. Die Stadtverwaltung1 und die Nachbarschaft respektieren den Garten, da Suleyha das Gelände pachtete, um ein grünes Laboratorium zur Erprobung von Entgiftungsstrategien aufzubauen.

Suleyha: „Dies war einmal eine Schutthalde. Ein sich selbst überlassener Ort. Hier wurde alles hingeworfen, ohne nachzudenken. Ein sehr schlechter Ort, weil es Plagen ohne Ende gab. Das Gleichgewicht war zerstört und nicht mehr in Einklang zu bringen. Deshalb setzte sich die comunidad (Gemeinde) dafür ein, das ökologische Gleichgewicht und die soziale Balance wieder herzustellen. Eine sehr wichtige Angelegenheit, um das Gute vom Schlechten trennen zu können, das Schlechte endgültig beseitigen zu können. (…) Gut, als wir das getan hatten, begann ich Bananen zu säen, Yuca, Boniato, Malanga, aber die Erde war von so schlechter Qualität, dass die Produkte gar nichts produzierten. Sie wuchsen zwar in die Höhe, aber sie trugen keine Früchte. Deshalb sagte ich mir: Gut, dann werde ich eben Bäume säen. Avocado, Mango, Guave, Chirimoya2, gut, mindestens 25 verschiedene Fruchtsorten. Besonders wichtig für die Qualität des Bodens war aber, dass ich Nussbäume säte und Palmen, Edelhölzer, Zedern und den Regenbaum3, all das sind auch Materialien, aus denen Möbel hergestellt werden. Ich bin fast verrückt geworden, weil ich unbedingt diese Erde wieder gewinnen und sie wieder bewohnbar machen wollte. Ich will die Wahrheit sagen: Alles funktioniert auf diese Weise – sich das, was da ist, zunutze machen: die Entfaltung der Kultur, der ökologischen Landwirtschaft, aus der die jungen Leute und Kinder und auch viele Erwachsene lernen. Sie verändern das Feld. Und dann, deshalb sage ich das - gewinnen sie an Erfahrung für das, was sie vergaßen. Denn nicht alles braucht Dünger. Bodennahrung sind auch diese trockenen Blätter. Diese alte Müllhalde ist eine Wiederaufbereitungsanlage. Das Leben macht es immer am Besten.“

Suleyha hatte mit seinen Freunden die comunidad von den Müllproblemen befreit und schenkte ihnen gleichzeitig einen Umsonst- Garten, in dem sie sich von den reifen Früchten bedienen können. Er löste die Entsorgungsprobleme, die aus der industriellen Nutzung des Gemeindelandes entstanden waren nicht mit den Strategien der Hilfsprogramme, die ihm rechtlich aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Kooperative zustehen, sondern durch den Anbau von in Vergessenheit geratenen endemischen, spirituellen und medizinischen Pflanzen. Größere Sorgen als der Hausmüll bereiteten ihm zunächst industrielle Abfälle, wie der 35 Tonnen schwere DDR- Panzer, der nicht mit Leibeskraft entsorgt werden konnte. Deshalb wurde er kurzerhand pinkfarben angestrichen, ebenso wie andere Gegenstände, die an die frühere Nutzung des Ortes erinnern. Ende 2007 wuchsen hier Obstbäume und Sträucher, aber keine Wurzelknollen, denn dafür ist die Qualität der Erde auch nach 11 Jahren sorgfältiger Rückgewinnung noch nicht gut genug. Suleyha meinte, dass die Qualität für Baumfrüchte genügt. Auf meine Frage, woher er das wüsste, denn es könne ja sein, dass die Früchte kontaminiert seien, antwortete er, auch dies hätte ihn seine Familie gelehrt. Ich lernte von ihm neben der Wichtigkeit der einzelnen Bäume für die Verbesserung des Bodens und als wirksame Bepflanzung gegen Bodenerosion, wie überliefertes Wissen vom Land für die urbane Realität nutzbar gemacht wird. Deshalb möchte ich, unter Zuhilfenahme der Theorie Andrea Heistingers, genauer benennen, worauf dieses „Erfahrungswissen“ beruht und wovon es sich abgrenzt:

  • Erfahrungswissen erhebt nicht den Anspruch, universell gültig zu sein, sondern ist offen für veränderte Bedingungen.
  • Es unterscheidet sich vom statischen Begriff der „Tradition“ oder der „Bodenständigkeit“. Der Begriff „traditionell“ ist nach Heistinger ungenau, da er weder einen räumlichen, noch einen zeitlichen sozialhistorischen Kontext bezeichnet (Vgl. Heistinger 2001: 77). Er wird einerseits zur Beschreibung von Pflanzenzucht bei Indigenas verwendet, um das Gegenteil zu einer professionellen Pflanzenzucht zu beschreiben. Andererseits verweist der Begriff in der naturwissenschaftlichen Disziplin auf Methoden, die dort seit ungefähr einem Jahrhundert entwickelt wurden. Dieser Logik folgend, resümiert Andrea Heistinger, dass es in diesem Begriffsschema davor keine Pflanzenzüchtung gegeben haben müsste (vgl. ebd.). Der Begriff der traditionellen Pflanzenzüchtung erwecke den Anschein, als hätte es Pflanzenzüchtung nur im letzten Jahrhundert gegeben, da er heute dem Begriff der modernen Züchtung gegenübergestellt wird.
  • Im Gegensatz zum instrumentalisierten Traditionsbegriff, mit dem Ansprüche an Besitz, auf Land, Macht und Ressourcen legitimiert werden und dem das „Flair des Guten“ anhaftet, unterschied Andrea Heistinger, Hobsbawm folgend, zwischen tradition und custom (Hobsbawm 1993: 2 in Heistinger ebd.). Im Brauch wird Vertrautes in Stil und Sinn weitergetragen: „Dies lässt die Verwandlung der Dinge unter meinem Blick, in meinen Händen, zu. Der Faden der Handlung und der Handelnden wird dabei nicht endlos durch die Gegenwart in die Zukunft gespannt, sondern gerade immer dorthin gespannt, verwoben, vernetzt, eingefärbt, verstärkt, abgeschnitten und wieder zusammengeknüpft, wo er gerade gebraucht wird – sein Gebrauch sinnstiftend ist“ (ebd. 78).

Mit diesem Begriff von brauchbarem Erfahrungswissen lässt sich für die Gärtner in Havanna sagen, sie haben sich ihre Fähigkeiten durch das eigene Experimentieren angeeignet. Damit steht diese Form von Wissen nicht nur konträr zum Traditionsbegriff, der durch naturwissenschaftliche Deutung in die Alltagssprache übersiedelte. Die Geltung von Erfahrungswissen muss sich neuerdings auch vor globalisiertem „Managementwissen“ beweisen, wie es die Recycling- Programme des neuen Politikfelds „Urban Waste Management Strategy“ (vgl. u. a. Cofie/ Adam- Bradford/ Drechsel: 2006) für die Gärtner vorsehen, die auf die Unterstützung des Staates angewiesen sind, um eine Parzelle bewirten zu dürfen. Über die Kooperativen werden den Gärtnern, wie bereits erwähnt, Unterstützungskampagnen angeboten. Das Sonderbare an den Programmen ist, dass sie die Umweltprobleme von der Geschichte und den Eigenarten des Ortes trennen, der „gesäubert“ oder neu bebaut oder beackert werden soll. Die Programme wollen zu jeder Zeit und an jedem Ort anwendbar sein. Sie sind ohne Örtlichkeit und stehen außerhalb der erfahrbaren Welt. Daneben verkennen die Verfechter der urban- waste- strategy die Motivation der Gärtner, die aus Verdruss über die ambientale Situation selbst neue Beziehungen zur Natur aufbauen. Damit entgeht ihnen die wichtige Funktion des Zuhörens und Verstehens.
Um zu verstehen, welches Wissen vor Ort vorhanden ist, würde es eigentlich genügen, ihnen zuzuhören und sich von ihrem Erfindungsreichtum anstecken zu lassen: Im Gegensatz zu internationalen Hilfsprogrammen, die den Einsatz von gezielten Strategien zur Verwertung von Müll und organischen Restbeständen von Pflanzen zum Zentrum haben, benötigt Suleyha kein zusätzliches „Input“ materieller oder ideologischer Art.
Er wünscht sich für die Zukunft, dass vermehrt Schulklassen dort in ein „Freiluftklassenzimmer“ gehen können, seine Trockenklokonstruktion sieht bereits zwei getrennte Bereiche für Kinder und Erwachsene vor. Anstelle die Schulungen zu besuchen, in denen im Sinne der Dezentralisierung die Verantwortlichkeit von der staatlichen Lenkung zur jeweiligen „community“4 dirigiert wird, hegt und pflegt Suleyha die Pflanzen, die ihm persönlich und seinem sozialen Umfeld etwas bedeuten. Dabei kommt es ihm nicht auf die Ertragsraten an, sondern darauf, dass die Kräfte der Pflanzen und der Erde gemeinsam wirken und die Örtlichkeit derart verändern, dass eine neue Balance zwischen natürlichen Kreisläufen und menschlichem Einwirken entsteht. Der ehemalige Polizist wählt genau aus, welche Früchte er sät. Jeder Baum steht in Verbindung mit der kubanischen Geschichte, deren viele Facetten er nicht müde wird zu erzählen. Als er meinem Bekannten Handy und mir die Früchte zeigte, erzählte er Geschichten, die meist aus seiner Heimat, dem Interior stammten. Darüber hinaus boten die Pflanzen für ihn ein geeignetes Mittel um politisch zu sprechen.

Suleyha: „Mamey Santo Domingo war sein alter Name. Das ist eine rote Frucht, du isst sie wie Obst. Doch erst wenn der Baum 20 Jahre alt ist, trägt er überhaupt Früchte. Das wusste unser Staat beim Triumph der Revolution nicht. Sie hatten kein Bewusstsein für ökologisches Gleichgewicht und unser Staat, das musst du dir vorstellen, ließ alle Mameybäume roden! Zuvor war Kuba der Hauptexporteur der Frucht in der Welt gewesen. Aber gerodet wurde, um den café catura anzupflanzen und zu exportieren. Du weißt, was damit geschah.“ (deutet mit einer ausholenden Armbewegung an, dass es damit vorbei ist und auch keines Wortes mehr wert).
„Wenn der Fruchtbaum 60 Jahre alt ist, wird er seine Erträge noch immer multiplizieren. Einige religiöse Menschen glauben, das (das Abholzen, d. k.) hat einen Fluch für Kuba ausgelöst. Dieser Strauch ist heilig! Sie gehört zu Changó5. Nicht nur zu Changó, zu vielen anderen Santos auch. Er wird sogar älter als die Mango!“

1 Die Strategie „limpiar primero y sembrar después“ wurde von Àlvarez 2000 eigens in einem Buch behandelt.

2 Cherimoya (Annona cherimola oder Quechua chirimuyu), gilt als eine „kalte Frucht“. In Südamerika und Spanien wird sie auch Chirimoya oder Churimoya genannt. Sie ist ein immergrüner, tief verzweigter Baum oder Strauch, der bis zu neun Meter hoch wächst. Die Früchte haben eine grüne Schale, die Samen liegen im weißen Fleisch.

3 Der Alleenbaum „algarrobo“ zählt zu den Leguminosen. (Lat. Pithecellobium saman, Leguminosae).

4 Zum community- Begriff vgl. Glossar der Gegenwart. Ulrich Bröckling, Krasmann u. Lemke (Hrsg.) Frankfurt a.M.2004.

5 Der Orisha Changó zählt zu den mächtigsten Gottheiten im Pantheon der Regla de Ocha oder Santería. Er wird im Katholizismus durch die Heilige Barbara und im Palo Monte durch Siete Rayos abgebildet. Er besitzt u.A. Macht über das Feuer.  

domingo, 31 de octubre de 2010

Conucos und Hausgärten. Ein Beitrag zur Geschichte der urbanen Landwirtschaft in Kuba.







Kuba gilt weltweit als Vorreiter der urbanen Landwirtschaft. Als der Zusammenbruch des sozialistischen Handelsblocks RGW die Staatswirtschaft der Insel in den 1990er Jahren in die schwerste Krise seit der Revolution stieß, gab die kubanische Führung notgedrungen die bis dato systemimmanente Ideologie einer nachholenden Industrialisierung auf und etablierte in den Folgejahren Strukturen für eine ökologische Ressourcennutzung. Anstatt die staatliche Versorgungspolitik aus der Hand zu geben und in die Privatwirtschaft zu überführen, werden Kubanerinnen und Kubaner heute dabei unterstützt, eine nachhaltige Selbstversorgung in den Städten aufzubauen. Ökologische Ansätze im Obst- und Gemüsebau, möglichst verbunden mit (Klein-)Tierhaltung auf begrenztem Raum in den Stadtzentren und dem suburbanen Umland sind Teil der sogenannten Revolución Verde, der grünen Revolution. Wenig beachtet wird jedoch das weit in die Geschichte des Landes zurückreichende Wissen über kleinparzellige Landwirtschaft. Jahrzehntelang hinter dem Ideal der Industrialisierung zurückgedrängt und in Vergessenheit geraten, beginnt der Staat erst seit wenigen Jahren, die Wiederentdeckung dieses Wissens zu unterstützen. 

Vorläufer und Entwicklung der urbanen Landwirtschaft

Bedingt durch die besondere historische Entwicklung der Hauptinsel des karibischen Archipels finden sich die ersten Formen städtischer Selbstversorgung bereits während der Zeiten der Massensklaverei ab Ende des 18. Jahrhunderts. Die auf Jamaika u.a. Inseln der Antillen genauer erforschten Huertos Caseros (Hausgärten) oder Conucos1 gab es auch in Kuba und anderen Inseln der Karibik (Mayor 2001/ Castiñeras 2002). Dort bedeuteten die Conucos, die meist direkt an die Hütten der städtischen Sklaven anschlossen, für die aus afrikanischen Kulturen entwurzelten Menschen und ihre Nachfahren einen gewissen ökonomischen und sozialen Freiraum innerhalb des Zwangsregimes der spanischen Kolonisatoren (vgl. Roberts in Falola & Childs 2004). Mit diesen Parzellen, auf denen Gemüse, Obst und Kräuter angebaut wurden, sollten sich die Sklaven selbst versorgen. Sie nutzten jedoch die Conucos auch dazu, aus den afrikanischen Kulturen bekannte Anbauweisen fortzuführen, quasi-familiäre Banden zu schließen und sich in die fremdartige Kultur und feindliche Umgebung zu integrieren. Neben diesem sozial-integrativen Moment wurden damals, wenn auch nicht bewusst, Methoden zur Kultivierung der Vielfalt von einheimischen Obst- und Gemüsesorten tradiert, die bereits vor Beginn der Kolonisierung, insbesondere von den indianischen Ureinwohnern, den Taínos, eingeführt worden waren. Im Rahmen ihrer konventionellen landwirtschaftlichen Ökonomie kultivierten die Taínos tropische Feldfrüchte, besonders Knollenfrüchte wie Yuca und Boniato, aber auch Mais, Erdnüsse, Paprika, Ananas, Baumwolle und Tabak auf Hügelbeeten. Bis heute gehören die im Geschmack der Kartoffel ähnelnden Gewächse Yuca, Boniato und Malanga, auch Vianda (Speise, aber auch Wurzelknolle) genannt, zu einem typisch kubanischen Mahl.
Im Zuge der Abolition wurden viele der Hütten und Gärten ehemaliger Sklaven per Gewohnheitsrecht in der Familie weitervererbt. Noch während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts pflegten die immer noch unterdrückten und marginalisierten Nachfahren ehemaliger Sklaven im familiären oder quasi-familiären Verbund kleine Stadtgärten und etwas größere Fincas. Von Beginn der kubanischen Revolution 1959 an galt diese häusliche Subsistenzökonomie jedoch als Merkmal der Unterentwicklung und sollte durch eine weniger arbeitsintensive industrielle Produktion abgelöst werden.2 Zu Beginn der 1960er Jahre kamen erstmals industrielle Techniken zum Einsatz, um in der Stadt Gartengemüse und Obst anzupflanzen. Während auf dem Land große staatliche Farmen (granjas estatales) entstanden, in denen Bauern mehrheitlich Zuckerrohr, aber auch Tabak, Reis, Gemüse und Obst pflanzten, verschwanden nach und nach ökologische Anbaumethoden wie die Dreifelderwirtschaft. Häusliche Anbaumethoden hielten dem Industrialisierungsdruck und der passiven Kooperativierungspolitik des kubanischen Staates nicht stand. (Grote 2004) Für die Produktion von frischen Lebensmitteln auf kleinem Raum wurden sogenannte Hidropónicos und Zeopónicos (inputintensive Monokultur) eingerichtet. Der Einsatz von starken chemischen Produkten zur Düngung und Schädlingsbekämpfung sollte die Ertragsraten steigern. In den 1970er und 80er Jahren führte man diese Systeme mit relativ geringem Erfolg auch in den Städten ein (vgl. Rodríguez Castellón 2000).
Anfang der 90er Jahre jedoch stand die kubanische Agrarwirtschaft, mittlerweile hoch aufgerüstet mit sowjetischen Erntemaschinen und nahezu vollständig vom Import russischen Kraftfutters abhängig, vor dem Aus.


1Der Begriff Conuco stammt aus der Karibik und wurde während der Kolonisation als Bezeichnung für die Gärten verwendet, die Sklavinnen und Sklaven von ihren Besitzern zur Verfügung gestellt wurden. Heute werden damit häufig ländliche Subsistenzgärten bezeichnet, Conuco kann aber auch einfach nur „Hügelbeet“ bedeuten.
2Nicht vergessen werden dürfen die sozialen Errungenschaften der Revolution, die kostenlose Bildungskampagnen für alle Kubanerinnen und Kubaner beinhalteten und die rassistische Alltagspraxis eliminierten. Dadurch entwickelte sich eine starke Solidarität der vormals marginalisierten Klassen mit der sozialistischen Regierung (vgl. de la Fuente 2001).   

domingo, 27 de septiembre de 2009

Dokumentarfilm "Lebendige Gärten" - urbane Landwirtschaft in Kuba

Synopsis: Lebendige Gärten
Ein Stück Grün im städtischen Grau ist für viele Menschen nicht nur ein Wunschtraum, sondern eine Notwendigkeit. Mangels ausreichender Versorgung mit gesunden Lebensmitteln bauen heute immer mehr Menschen besonders in den „Ländern des globalen Südens“ Obst und Gemüse an, um ein wenig besser zu leben. Kuba ist das einzige Land weltweit, in dem die Subsistenzlandwirtschaft zum politischen Programm gehört.
„Lebendige Gärten“ zeigt den besonderen kubanischen Weg der städtischen Selbstversorgung, der in den 90er Jahren begann, als weder Pestizide, noch Treibstoff verfügbar waren.
Obwohl sie alle organisch anbauen und in Kooperativen organisiert sind, zeigen die Gärtner, dass ihr Tun weit über den Zweck der gesunden Ernährung hinaus reicht. Kulturelle, spirituelle und soziale Banden werden neu geknüpft und verwandeln den Großstadtdschungel von Havanna.


Preise: 
Film (dt./ es.): 10 €*
Diplomarbeit: 30€*

Film (dt./es.) + Diplomarbeit (gebunden): 35 €*
Bestellungen Bildungseinrichtungen: 48 Euro* 

*plus Versandkosten innerhalb Deutschlands



Sinopsis de la película documental: 
Rescatando Jardines (Agricultura urbana en la Habana/ Cuba)
Para mucha gente un pedacito verde dentro de la gris ciduad significa más una necesidad que una ilusion. Por falta de una alimentación con suficientes viveres sanos, cada vez más personas siembran viandas y frutales para vivir un poco mejor. „Rescatando Jardínes“ presenta la transformación cubana hacia una agricultura urbana que tiene sus inicios en los años noventa, cuando ni pesticidas ni combustibles estaban disponibles. Cuba es el único país del mundo que ha integrado la agricultura urbana en el programa politico.
Si bien todas las personas que plantan y suministran a cooperativas lo hacen con técnicas de agricultura orgánica y, su labor se extiende más allá de la sana alimentación. Se entrelazan cadenas culturales, espirituales y sociales para darle vida nuevamente a la jungla urbana para el bien de los cubanos.
Informaciones sobre servicios del envío por correo: dany_kaelber@gmx.de


sábado, 26 de septiembre de 2009

Guerilla Gardening in Hannover



Der Küchengarten in Hannover Linden diente im 16. Jahrundert der Versorgung des herzoglichen Haushalts. Im Zuge der Industrialisierung wurden die Gartenanlagen verlegt und die ehemaligen Weiden und Obstplantagen zwischenzeitlich als Schweinestall und Lager für Eisenbahner genutzt. (http://www.linden-entdecken.de/impressionen/kuechengarten.htm)

Auch diese Zeiten sind lange vorbei. Wenn wir heute an der Haltestelle Küchengarten aussteigen, blicken wir in eine vollurbanisierte Landschaft, die wir durch die Vielfalt an Konsummöglichkeiten als "lebendig" empfinden.

Doch inmitten dieser städtischen Landschaft wurde ein Projekt ins Leben gerufen. An einem Wochenende im September traf sich eine kleine Gruppe an engagierten Personen und errichtete auf dem letzten verbliebenen Hügel einen Nutz- und Kulturpflanzengarten.

Von der Haltestelle aus sind die Stiefmütterchen sichtbar, doch erst, wenn man den schneckenförmig angelegten Weg auf den Berg passiert, wird das ganze Ausmaß des Gartens erkennbar. Himbeer- und Johannisbeer, Estragon und Salbei und eine ganze Reihe an winterfesten Farnen und Büschen wurde dort in Eigenmacht gepflanzt.

Fast alle Pflanzen stammen von lokalen Samstagsmärkten und wurden den Gärtnern geschenkt. Auch die "Kartoffelerde" hat eine kleine Geschichte, in der sich industrielle Produktion und grüner Lebensstil verbinden: Sie stammt aus einem Kartoffelweiterverarbeitungsbetrieb aus der peripheren Gegend im Süden Hannovers und dient als Dünger, der gleichzeitig schon Saatgut für die Kartoffelernte enthält.

Doch nicht nur individuelle Kreativität leben die Gärtner aus, wenn sie ihren Stadtteil verschönern wollen. Gleichzeitig möchten sie die Bewohner ihres Viertels zum Mitmachen anstiften. Denn die durch oft unbeweglich vor dem Schreibtisch verharrenden Körper werden durch Tätigkeiten im Garten wieder locker. Und mit dem Pflanzen wächst auch das gesellschaftliche Miteinander.

lunes, 22 de junio de 2009

Nachhaltiger Ferntourismus? Tipps zum gesunden Reisen

Tourismus ist in vielen Staaten die Haupteinnahmequelle von Devisen. Devisen sind nötig, um internationalen Handel zu entwickeln. Im Individualtourismus und mittlerweile auch im Massentourismus werden derzeit weltweit Standards entwickelt, die eine nachhaltige, sozial verträgliche Zukunftsentwicklung der Länder mit hohem Tourismusaufkommen und gleichzeitig geringer Industrialisierung garantieren sollen. Kuba, der Archipel in der Karibik ist momentan der einzige Staat der Welt, in dem die Nachhaltigkeitskriterien (1) laut WWF eingehalten werden.
Wie kann Ferntourismus, u.a. geprägt durch lange Flugreisen für relativ kurze Aufenthaltsdauer und Hotelaufenthalte diese Anforderungen überhaupt erfüllen?
Heute noch werden Kooperationen oder Partnerschaften im touristischen Bereich vorwiegend von europäischer Seite aus angestrebt. Die Zielländer stellen normalerweise billige Arbeitskräfte und erhalten im Gegenzug touristische Infrastruktur. Meist werden beim herkömmlichen Ferntourismus lokale Märkte weder gestärkt noch gesichert, da die meisten Produkte für den touristischen Gebrauch nicht den lokalen Standards entsprechen und importiert werden. So bilden sich neue Klassenstrukturen heraus, die sich durch den Zugang zu Devisen und nicht etwa dem Bildungsniveau konstituieren. Selbst wenn Hotels auf die korrekte Entsorgung von Müll achten und Wasserverbrauch vermindern, um zwei Beispiele für ökologische Nachhaltigkeit zu nennen, scheint doch die Forderung nach sozialer Nachhaltigkeit durch Ferntourismus in noch weitere Ferne zu rücken.


Doch es gibt Hoffnung. In den letzten Jahren wurde die Forderung laut, die UN- Milleniumsziele auch im Ferntourismus zu beachten. Seither sollen sich Reiseveranstalter und touristische Unternehmen dafür einsetzen, Umwelt- und Sozialstandards einzuführen bzw. zu verbessern. 


Neben der Ökobilanzrechnung (z. B. der "ökologische Fussabdruck") sollen die lokalen Märkte in den Zielländern gestärkt, Naturschutzgebiete von großen Touristengruppen gemieden bzw. durch Spenden gefördert und (indigene) Gesellschaften von den Konsequenzen des Tourismus verschont werden. 


Eine nachhaltige Reiseplanung erfordert also die Sensibilisierung der Touristen. 


Wenn Sie sich für eine Reise auf einen anderen Kontinent entscheiden, halten Sie deshalb bitte folgende Grundsätze ein: 
- Reisedauer (mind. 14 Tage)
- Nutzung lokaler Dienstleistungen und touristischer Angebote
- Konsum lokaler, nicht importierter Produkte 
- kulturelle und sprachliche Vorbereitung; Information über Tabus und Bräuche der Zielgesellschaft




(1) Vgl. http://www.diw.de/documents/publikationen/73/42749/v_04_1_2.pdf



lunes, 18 de mayo de 2009

Die Rückkehr der Feinfühligen



Was tun wir wenn wir Reisen? Was geschieht mit uns, wenn wir die Verhaltens- und Empfindungsmuster unserer Heimatkultur über Bord werfen, um uns für einen Augenblick in eine andere Welt zu begeben? Wir lernen uns selbst kennen. Wir öffnen die Augen und genießen den Moment. Schießen Fotos, um uns auch später noch daran erinnern zu können. Dann kehren wir wieder zurück zu unseren Verpflichtungen, dem beruflichen oder privaten "Stress". Dieser Kreislauf prägt das Alltagsleben vieler Menschen in den Industrienationen zu Beginn des dritten Jahrtausends.
Seit einigen Jahren werden die Forderungen lauter, sich nicht dem selbst auferlegten Druck hinzugeben und sein Leben der Arbeit zu opfern. Doch der Weg heraus aus dem Teufelskreis von Zwängen, die unser Denken und Handeln strukturieren und deshalb vorbestimmen, bedarf oft der Anleitung von Professionellen.
Eine wirksame Lösung, die nachhaltig das Selbstwertgefühl und den Blick auf die eigenen Verhaltensmuster verbessert (und sie der Realität angleicht) ist das interkulturelle Feingefühl durch Reisen.
Denn Reisen und besonders Fernreisen sind immer eine Besinnung auf das Eigene.


viernes, 17 de abril de 2009


Zwei Routen durchs Paradies


Kuba – weit mehr als Traumstrände, Salsa, Rum und Zigarren. Jenseits der Klischees eine tropische Insel, die es zu bereisen lohnt. Auf eigene Faust erkundet offenbart die Insel ihren ganz eigenen Charakter. Da Kuba seit der sozialen und ökonomischen Krise in den 90er Jahren über zwei Währungen verfügt, ist eine solche Reise garantiert ein abwechslungsreiches Unterfangen.

 

Reisevorbereitungen

Das lokale Währungssystem hat seine Tücken. Zunächst einmal sei angemerkt, dass die englischsprechenden Kubaner des Öfteren behaupten, die Touristen müssten allgemein in der konvertiblen Währung CUC bezahlen. Dies stimmt nicht ganz, jedoch gibt es mancherorts zwei Speisekarten oder Qualitätsunterschiede, je nachdem, in welcher Währung bezahlt wird. Dass die ökonomische Situation auf der Insel auch heute noch angespannt ist, sollte ein Reisender bei eventuellen Ärgernissen nicht aus den Augen verlieren. Nichtsdestotrotz verhilft eine sorgfältige Reisevorbereitung dazu, nicht oder kaum übers Ohr gehauen zu werden. Kuba zu bereisen ist eine Erfahrung, die bleibt. Wie weit der Tourist in die Feinheiten der Kultur eindringen will, kann er nach der Lektüre zweier Reisearten selbst entscheiden.



Route 1: Geeignet für gestresste, nach Entspannung suchende Individualtouristen (Voraussetzung: Spendierfreudigkeit)


Ankunft in Havanna

Am nach dem bekanntesten Nationalhelden benannten internationalen Flughafen José Martí stehen Taxen bereit, die Touristen für 25 CUC zu ihrer Unterkunft bringen.

Tag und Nacht in Havanna

Havanna ist historisch, mancher Einheimischer bezeichnet die Stadt als hysterisch. Wer die geschichtsträchtigen, ruhigen Orte vorzieht, ist im Hotel Habana Libre genau richtig. Auf den Gängen werden noch heute die Brandflecken der auf dem Teppich ausgedrückten Zigarren von Fidel und Ché bewundert. Über dem Pool, der von Besuchern des Hotels für 5 CUC genutzt werden kann, kann man auf dem Rücken schwimmend den kreisenden Adlern zusehen und die beste Luft der Stadt atmen. Im Erdgeschoss befinden sich Tourismusagenturen, die Rundreisen, Hotelreservierungen und Taxitransporte anbieten. Im letzten Stockwerk des Hotels bietet sich dem tanzfreudigen Publikum nachts ein grandioser Ausblick über die Dächer der Perle der Karibik (10 CUC).

Wer sich vor der schwülen Hitze nicht beirren lässt, sollte einen Spaziergang durchs Vedado, den zuletzt erbauten der kolonialen Viertel machen. Bis zu den Villen in Miramar ist es ein längerer Fußmarsch, doch Bauernmärkte, paladares (privat geführte Restaurants) und schattige Parks machen den Spaziergang zu einem runden Ausflug. In der anderen Richtung geht es den Malecon entlang zur Altstadt. Habana Vieja ist Weltkulturerbe der UNESCO. Um die Kolonialhäuser vor dem bereits weit vorangeschrittenen Verfall Einhalt zu bieten, wird internationale Hilfe gerne in Anspruch genommen. Habana Vieja ist Havannas touristische Zone Nummer eins, deshalb ist hier Vorsicht vor Schleppern geboten. Die sog. Jineteros zeigen zwar den Neuankömmlingen ihre historische Stadt doch die Ausgaben für ihr leibliches Wohl und die Taxifahrten, rechtfertigen kaum ihre Dienste.

In östlicher Richtung geht es zu den Traumstränden Playas del Este und nach Cojimar, wo einst Ernest Hemmingway residierte. Die Strände waren vor dem Triumph der Revolution Ausflugsorte für die US- amerikanischen Gäste, die das Land mit Kasinoturismus, Bodenspekulation und Prostitution im Griff hatten. Taxen ans Meer warten vor dem Capitolio, das Fremde manchmal an das gleichnamige Gebäude in Washington erinnert.

Das Busunternehmen Viazul bietet komfortable Reisebusse in alle Provinzhauptstädte für selbstorganisierte Fahrten. Da die Pläne im Internet nicht stimmen und in Havanna niemand das Telefon abhebt, sollte man auch dort in eine Tourismusagentur gehen und nach den Abfahrtszeiten fragen. Wen es nicht ins europäisierte Varadero mit den kilometerlangen weißen Stränden und All- Inclusive- Hotels zieht, der trifft auch in der Provinz Piñar del Rio und besonders im Tal Viñales auf englischsprachige Kubaner, die Pferde, Kutschen und Rinderfuhrwerke in Bewegung setzen, um den Touristen die zahlreichen Höhlen und Felsengänge im romantischen Tal zu zeigen.

 

Route 2: Geeignet für abendteuerlustige, bereits entspannte Reisende (Voraussetzung: gute Spanischkenntnisse, Gelassenheit)



Spanisch sprechende Reisende können die Taxifahrt vom Flughaften ins Zentrum bis auf 10 CUC herunterhandeln. Sie dürfen jedoch nichts sagen, wenn andere Mitreisende mehr zahlen müssen. Ein Low- Budged- Trip durch Kuba beginnt typischerweise an einer sog. Cadeca (Casa de Cambio – Wechselstube). Nachdem der Euro zunächst in CUC, den konvertiblen Peso getauscht wurde, wird ein Teilbetrag weiter in moneda nacional gewechselt. Der CUC entspricht etwa dem Wert des US- amerikanischen Dollars bzw. 25 Pesos in nationaler Währung. Für diesen Betrag bekommt man z. B. zwei Pizzen und fünf Erfrischungsgetränke, zweieinhalb Taxifahrten in einem Oldtimer durch Havanna, oder 25- 50 einfache Fahrten im Bus, dem sog. guagua.

Übernachtung

 Legale Casas Particulares kosten in Havanna um die 20 Euro pro Nacht (Doppelzimmer mit Frühstück). Bei längeren Aufenaälten lassen die casa- Besitzer mit sich handeln. Vor illegal Vermietenden sei hier gewarnt, da keine Sicherheit für Gepäck übernommen wird und auch die Behörden nicht wissen können, wo die Touristen untergebracht sind.

Essen und Trinken

 Für moneda nacional bekommt man in ganz Kuba Pizzen, Hamburger und pan con perro (Brot mit Hund). Ebenso aber gibt es eineRreihe an staatlichen Restaurants, wo man für ein Menü nicht mehr als 80 Peso bezahlen sollte. Auch Rum, regionales Bier und Limonade gibt es an fast jeder Ecke. Vorsicht ist bloß an den Straßenständen geboten, da das Wasser meist nicht abgekocht (hervido) wird. Das Café G, gelegen im Vedado zwischen Calle G und 23, verkauft bis abends koffeinhaltige Getränke sowie Bier, Limonade und einen leichten Mojito. Die beste Eiskrem bei Coppelia. Sonntags beträgt die Wartezeit auf den Einlass ins Café mind. 3 Stunden, wochentags bekommt man mit Glück bereits nach 30 Minuten einen riesigen Eisbecher für ein paar Pesos.

Transport

 Havanna ist die einzige Stadt, wo man die Taxifahrer fragt, wohin sie fahren. Wenn sie in die gewünschte Richtung fahren, zahlt man für den Service nur 10 Peso bzw. 50 centavos (100 centavos = 1 CUC). Mit der sog. maquina, meist ein Oldtimer, kann man beispielsweise die Straße Neptuno von Habana Vieja über Habana Centro bis nach Vedado (Copelia oder Linea) entlang fahren und am gewünschten Ziel aussteigen.

Einen Bustransport direkt zum Strand gibt es nicht, doch der guagua Nr. 400 hält vor dem Bahnhof (Terminal de Ferrocarril). An dieser Stelle eine kurze Einführung ins Busfahren: Kubaner warten selten in einer Schlange. Der Brauch ist, laut nach dem letzten Wartenden zu rufen. Die Schlangen haben ihre Regeln. So hat man zu fragen: Entschuldigen sie bitte, wer ist der letzte in der Reihe für die Strecke des Bus Nr. 400 (Permiso, quíen es la última persona de la cola de la routa de la cuadrociento)? Genauso kann man aber auch sagen: Cuadrociento! Wenn der Bus angekommt, reiht man sich in die Schlange ein.

Habana pega (Havanna klebt)

Havanna kann man in drei Tagen überfliegen oder in drei Jahren kennenlernen. Viele Kubaner kennen selbst nicht das Innere ihrer Insel und freuen sich über Reiseeinladungen. Wen es aus Havanna heraus zieht, der sei gen Südosten geschickt, ins Innere (Interior) der Insel. Wiederum gibt es zwei Möglichkeiten zu reisen und zu rasten.

Von Havanna losreis(s)en: Per Anhalter fahren heißt in Cuba „cojer botella“ (in etwa: die Flasche nehmen). Aus Havanna heraus zu kommen ist allerdings nicht ganz einfach. Deshalb am Besten an der Omnibusstation des Busunternehmens „Astro“ (nahe Plaza de la Revolución) mit einem privaten Taxi fahren. Außerhalb der Provinz Ciudad de la Habana finden sich am Rande jeder Stadt sowie an den Provinzgrenzen dann Punkte, die „amarillos“ genannt werden. Der Name „die Gelben“ beruht auf der Farbe der Uniformierten, welche am Straßenrand staatliche Autos stoppen, um die Wartenden Fahrgäste für einen geringen Preis unterzubringen. Meist fährt man jedoch im camion,  einem sehr vollen Lastwagen. Diese Fahrt ist zwar nichts für schwache Nerven oder Mägen, lustig kann es aber werden, wenn Rumflaschen herumgereicht werden, oder ein Fahrgast kurzerhand eines seiner Hühner an seinen Nachbarn verleiht.

 

Eine Traumroute nach Realistengeschmack:

1. Tag: La Habana Ziel: Cienfuegos Stadt (330km)

Cienfuegos war während der Kolonialzeit eine französische Siedlung. Der große Hafen hat bis heute eine ökonomische Bedeutung für den Export von Nickel, Industriegütern und Zitrusfrüchten. Die Stadt ist im nationalen Vergleich konkurrenzlos die sauberste, was den Stolz der Bewohner beschwört. In Cienfuegos gibt es einige der besten nationalen Zauberer, bei denen das Geld wieder in die Tasche des Besitzers wandert. Ansonsten sei vor den Schleppern gewarnt, die sich u. a. als Familienmitglieder von im Voraus reservierten casas ausgeben. Also besser zur vorgeblich bereits gebuchten casa particular aufbrechen und dabei unauffällig nach dem Zeichen suchen. Selbst gesuchte casas sind deshalb günstiger, weil die Provision für den Schlepper entfällt. Die Stadtneuigkeiten erfährt man am besten bei einem vom Vermieter servierten sehr süßen subventionierten Café.

 

Im Schlendergang lässt sich das im Schachbrettmuster gebaute Zentrum der Provinzhauptstadt in gut 15 Minuten durchqueren. An der Küstenpromenade warten Kutschen (coches), die für ein paar Peso bis zum Aussichtspunkt der stillen Bucht fahren, die den Blick auf die Festung Castillo de Jagua frei gibt. Hier gibt es günstige Fischrestaurants und nachts öffnen staatliche Tanzlokale. Für einen Ausflug zum Strand Punta Gorda lohnt es sich auf den guagua zu warten, der in der Nähe des Bahnhofs hält.

Von Cienfuegos nach Trinidad gelangt man über die malerische Küstenstraße. Die Fahrt zum 15 außerhalb von Cienfuegos gelegenen botanischen Garten zu unterbrechen, bietet einen anderen Blick auf den Reichtum der Insel. Hier wachsen ausschließlich endemische tropische Pflanzen, also Gewächse, die nur an diesem Ort vorkommen.

Trinidad bietet allen Anlass, einen Feiertag für die Musik einzulegen. Zahlreiche Son- und Salsa- Gruppen, Interpreten der Trova und Straßenmusiker, die dem Buena Vista Social Club Konkurrenz machen würden, spielen von früh bis spät in die Nacht.

Wer es bis Trinidad auf eigene Faust geschafft hat, wird auch den Oriente meistern. Wer bereits zu viel Zeit in den Städten verbracht hat, der kann auf dem Rückweg nach Havanna einen Zwischenstopp in der Studentenstadt Santa Clara einlegen. Mitten in der Provinz Villa Clara gelegen wird hier Ché Guevaras Beitrag zum Triumph der Revolution gehuldigt. In ganz Kuba schwören die Kinder bei ihrem wöchentlichen Appell, sein zu wollen, wie er, doch in Santa Clara hat Ché (so genannt wegen seines argentinischen Akzents) fast den Heiligenstatus. Nicht selten hängt sein Porträt Kopf an Kopf mit den Orishas, den afrokaribischen Heiligenfiguren in den Privathäusern. Der Ausflug zum Plaza de la Revolución ist eine Wanderung durch die meist schwüle Stadt, doch das Ziel lohnt sich. In einem Museum wird deutlich, dass Ché Guevara selbst seinem Anspruch sehr nahe kam, den er an den Neuen Menschen stellte. Ché arbeitete freiwillig, war erfolgreicher Sportler trotz seines Asthmaleidens und opferte sein Leben dem Wohl der kubanischen Nation.

Zurück in Havanna muss die Reiseerfahrung unbedingt noch mit den Einheimischen gefeiert werden. Zum Ausgehen (mit Tanzkenntnissen) bieten sich an:


Casa de la música

Der staatliche Tanzschuppen im Villenviertel Miramar ist besonders empfehlenswert. Die Einheimischen warten mit für kubanische Verhältnisse unüblicher Pünktlichkeit bereits um 17 Uhr vor den Türen.

1830

Ein besonderer Tipp für den Sonntag Abend in Havanna. Wer gerne unter freiem Himmel feiert, ist im 1830 richtig, einem Tanzclub, der weniger durch sein Ambiente als mehr durch die berühmte improvisierte Rueda de Casino bezaubert. Die Rueda ist eine Tanzformation in Kreisform. Ein Tänzer mit kräftiger Stimme sagt die Figuren an, die „ahora“ (jetzt) getanzt werden. Nicht alle Figuren sind so einsichtig wie „el tren“ (der Zug), bei dem die Tanzenden als Parade vorwärts und rückwärts laufen und hüpfen. Spätestens bei der Figur „confusión“ wird der Uhrzeigersinn gebrochen und wer zu viel Ron Collin getrunken hat, verliert dabei unter Umständen seine Partnerin. Die Bands im 1830 bringen selbst sitzende Zuschauer ins Schwitzen.

Hotel Florida

Wesentlich gediegener präsentieren sich die Räumlichkeiten des kolonialen Hotels Florida am westlichen Ende der Einkaufsstraße Calle Obispo (Habana Vieja). Täglich öffnet das Hotel um ca. 22 Uhr den Tanzsaal. Wenn auch die Band seit 3 Jahren keine Änderungen an ihrem Programm vornimmt, so lassen sich die Stammgäste keinesfalls etwas wie Langeweile anmerken. (Eintritt 5 CUC incl. 2 Cocktails)

 

Rückkehr zum Flughafen

 Der letzte Becher Coppelia- Eiskrem entschädigt für den frühen, tränenreichen Abschied aus Havanna und das Warten auf den Bus zum Flughafen. Als inzwischen erfahrener und sehr gelassener Kubareisender sitzt man mit zwei fremden Kindern auf dem Schoß und der Tasche einer dicken Kubanerin im hinteren Teil des Busses und wundert sich, bereits nach 45 Minuten an der Kreuzung zum Flughafen anzukommen. Dort muss dann nur noch ein Fahrrad oder Pferdewagen angehalten werden und der Fahrer davon überzeugt, dass man nicht das Land für immer verlassen will, sondern nur für einen Urlaub in die Heimat aufbricht, um von dort mehr Toilettenartikel, Sportschuhe und USB- Sticks mitzubringen.

 

Die Autorin Daniela Kälber arbeitet als freie (Video-) Journalistin und Soziologin dies und jenseits des Atlantiks und freut sich über Anfragen zu Kubareisen, Salsa und kulturellem Austausch.

 

 

martes, 14 de abril de 2009





Salsa ist ansteckend, lebendig, flexibel. 
Sie entwickelt sich beständig weiter und verschmilzt mit den Rhythmen von Hip Hop, Reggaeton und Bachata zu neuen Stilrichtungen.




Bachata  Reggae- ton Bacha- ton      Cuba- ton

 

Bachata, ein langsamer Bolero, stammt eigentlich aus Kuba, wurde jedoch in der dominikanischen Republik bekannt. Der besonders unter Verliebten populäre Musikstil im 4/4tel Takt sticht in der kubanischen Klangwelt durch unharmonische Gitarrenbegleitung hervor. Einmal aber an die Rhythmen und Gesänge, die aus den Wohnungen erschallen gewöhnt, entpuppen sie sich als variantenreiche Mischung. Stilelemente der Musikgeschmäcker vergangener Generationen vermischen sich mit neuen Klängen.

Heute ist Reggaeton die lauteste Stimme auf der Straße. Der hämmernde Gleichklang elektronischer Bassinstrumente wurde eigentlich in den sozial benachteiligten Vierten Puerto Ricos erfunden. Nun tönt er aus den Radios der Cadillacs und den Soundsystems der Straße in immer neuen kubanischen Varianten und Abwandlungen. Mit Cubaton ist die sozialkritische Variante des Reggaeton allgegenwärtig und in der Sprache der Straße „afuego“.

Der dazugehörige Tanz Perreo gilt als „afuegito“ - aber fast ausschließlich innerhalb der jungen Generation. Manche alte Herrencombos, die mit ihren klassischen Instrumenten Son, Salsa und Cha Cha Cha spielen, schütteln den Kopf über den sinnlichen Tanz zur Reggaetonmusik. Beim Perreo wird Rivalität tänzerisch ausgefochten. Dass die Frau dabei wie in einem Sandwich zwischen zwei Männern tanzt, ist keine Seltenheit. 

Genau hinhören, nachfragen oder am besten mittanzen ermöglicht einen Einblick in den Wertewandel - verkörpert in der und durch die Musik.

In den ersten Jahren nach den Triumph der Revolution wurde der Begriff „Salsa“ aus dem offiziellen Sprachgebrauch verbannt. Salsa galt als von Nicht- Kubanern gespielte kubanische Musik und deshalb als neokolonialistisches Werkzeug der USA. Die Musik aber blieb. Der Name „Salsa“ kehrte mit der Förderung des Tourismus zu Beginn der 90er Jahre offiziell in die Alltagssprache zurück.

In der ökonomischen Krise nach dem Zusammenbruch der Sowjetstaaten kam zusätzlich der Begriff Timba als Bezeichnung für einen eigenen Musikstil auf. Die halbkommerzielle Timba wurde von Künstlern wie David Calzado repräsentiert, der damals noch gemeinsam mit seiner Gruppe Charanga Habanera auftrat. Der sich selbst als „ciclón de la Habana“ bezeichnende Leadsänger wirbelt wahrhaftig wie ein Sturm über die Bühne. Wie bei den meisten Timba- Gruppen wird auch er dabei von Klavier bzw. Keyboard, Bass, Schlagzeug und den Percussioninstrumenten Timbales, Congas sowie einem Bläsersatz begleitet.

Die einst kahlrasierte Frontfrau der durch den Jazz geprägten Gruppe Bamboleo ist eine der wenigen weiblichen Vertreter dieser von der Salsa eigenständigen Musikrichtung.

Bei Timbakonzerten werden meist Anleitungen zur Salsaanimation, einer leicht nachzuahmenden Choreographie, gegeben. Diese soll das Publikum binden, ebenso wie die Ausrufe Ahí na´ma´ (nada más) und die Kritik am Rassismus und dem bestehenden System.

Bevor der Reggaeton Kuba erreichte, rappten bereits die Timba- Sänger und Sängerinnen. Im Gegensatz zu vielen heute populären Reggaetoninterpreten genossen sie jedoch die klassische kubanische Musikerausbildung an prestigeträchtigen Konservatorien. Deshalb sind auch deren Texte weniger sozialkritisch.